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Corona News Stand 15.6.2020:

 

Umsatzsteueränderungen - News vom 15.6.2020

 

Liebe Mandantinnen und Mandanten. Wie bereits im letzten Newsletter angekündigt, werden die Umsatzsteuersätze zum 1.7.2020 voraussichtlich angepasst werden, sofern der Bundesrat am 26. Juni zustimmen wird. Dies wird viele praktische Herausforderungen mit sich bringen, über die wir sie heute im Einzelnen Informieren möchten. Insbesondere sind Systeme und Prozesse anzupassen, Verträge zu ändern und die Buchhaltung ist umzustellen. Zugleich ist im Auge zu behalten, dass die Änderungen in sechs Monaten wieder rückgängig zu machen sind.

Folgende Bereiche sind durch die Steuersatzänderungen betroffen und bedürfen einer kurzfristigen Anpassung:

  1. Für die Entstehung der Umsatzsteuer und die zutreffende Anwendung des Steuersatzes kommt es darauf an, wann die Leistung tatsächlich ausgeführt worden ist (Lieferung = Verschaffung der Verfügungsmacht, sonstige Leistung = Zeitpunkt der Vollendung). Damit ist weder der Tag der Rechnungstellung noch der Tag der Zahlung maßgeblich.

Es ergibt sich grundsätzlich die folgende Übersicht der anzuwendenden Steuersätze:

 

Bis zum 30.06.2020 ausgeführte Leistungen

Zwischen 01.07.2020 und 31.12.2020 ausgeführte Leistungen

Ab 01.01.2021 ausgeführte Leistungen

Regelsteuersatz

19 %

16 %

19 %

Ermäßigter Steuersatz

7 %

5 %

7 %

  1. Am 05.06.2020 hat der Bundesrat dem Corona-Steuerhilfegesetz zugestimmt. Vom 01.07.2020 bis 30.06.2021 ist für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen der ermäßigte Steuersatz anzuwenden. Getränke sind von der Steuersenkung allerdings ausgenommen. Für Restaurations- und Verpflegungsdienstleistungen gelten somit folgende Steuersätze:

Bis zum 30.6.2020 ausgeführte Leistungen 19 %

Zwischen 1.7.2020 und 31.12.2020 ausgeführte Leistungen 5 %

Zwischen 1.1.2021 und 30.6.2021 ausgeführte Leistungen 7 %

Ab 1.7.2021 ausgeführte Leistungen 19 %

  1. Die verminderten Steuersätze gelten nur für Leistungen, die im Zeitraum 01.07. bis 31.12.2020 (im Folgenden: Übergangszeitraum) ausgeführt werden. Unbeachtlich ist hingegen der Zeitpunkt des Vertragsschlusses, der Rechnungsstellung oder der Zahlung. Sofern der Unternehmer Anzahlungen vor dem 01.07. erhält, die Leistung jedoch im Übergangszeitraum ausgeführt wird, unterfällt das gesamte Entgelt dem verminderten Steuersatz, § 27 Abs. 1 UStG. Dies ist entsprechend auf der zu erstellenden Schlussrechnung zu berücksichtigen.
  2. Aus der Gültigkeit der verminderten Steuersätze bis zum 31.12.2020 ergeben sich Änderungen für Jahresleistungen (z.B. Lizenzen). Da diese Leistungen mit Ablauf des vereinbarten Leistungszeitraums als erbracht anzusehen sind, gilt für diese der verminderte Steuersatz des Übergangszeitraums. Dies gilt selbst dann, wenn die Zahlung für das gesamte Jahr bereits vorab geleistet wurde. Insoweit ist eine Anpassung der Zahlung und der Rechnung erforderlich.· Das voranstehende Thema gilt gleichermaßen für Anzahlungen im Übergangszeitraum für Leistungen nach dem 31.12.2020.
  3. Mitgliedsbeiträge für ein Kalenderjahr unterliegen in 2020 den verminderten Steuersätzen, da die Mitgliedschaft bis 31.12.2020 als an diesem Tag als vollendet gilt.
  4. Zeitschriften-Abos sind entsprechend zu prüfen und anzupassen.
  5. Für sämtliche Ausgangsrechnungen mit deutscher Steuer sind die Steuersätze anzupassen. Dies hat zur Folge, dass kurzfristig neue Steuerkennzeichen benötigt werden. Zudem ist sicherzustellen, dass die bestehenden Kennzeichen für den Übergangszeitraum nicht verwendet werden.
  6. Gleichermaßen sind auch neue Steuerkennzeichen für im Inland steuerbare Reverse-Charge Eingangsleistungen sowie innergemeinschaftliche Erwerbe für den Übergangszeitraum erforderlich.
  7. Sämtliche Kassensysteme und ERP Systeme sind auf die neuen Steuersätze umzustellen.
  8. Für die neuen Steuersätze werden neue Konten in der Buchhaltung benötigt.
  9. Bei der Rechnungseingangsprüfung ist sicherzustellen, dass auch die Rechnungen der Lieferanten für Leistungen im Übergangszeitraum nur die verminderte Umsatzsteuer ausweisen. Sofern die Umsatzsteuer hingegen auf Basis der bislang gültigen Steuersätze abgerechnet wird, ist zu beachten, dass es sich anteilig um einen Startausweis nach § 14c Abs. 1 UStG handelt. Die zu hoch ausgewiesene Steuer darf daher nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden.
  10. Da die Steuersatzänderungen sowohl den Regel- als auch den ermäßigten Steuersatz betreffen, ist ein besonderes Augenmerk auf Reisekostenabrechnungen zu richten (z.B. Hotelübernachtung, Bahnticket).
  11. Aufgrund der neuen Steuersätze benötigen die Unternehmen neue Kennzeichen für Spesen.
  12. Buchungen von Übernachtungen oder Bahnfahrten für Zeiträume ab dem 01.07.2020 führen auch bereits bei Vorabzahlung zu den verminderten Steuersätzen.
  13. Die PKW-Überlassung an Mitarbeiter löst für den Übergangszeitraum nur eine Besteuerung mit dem verminderten Steuersatz von 16% aus.
  14. · Bei Dauerleistungen (insb. Mietverträgen und Leasingverträgen) ist sicherzustellen, dass die Verträge – sofern diese als Rechnungen fungieren – für den Übergangszeitraum angepasst werden. Alternativ sind entsprechende Dauerrechnungen anzupassen.
  15. Leasing-Sonderzahlungen sind entsprechend der dann ausgeführten Teilleistungen aufzuteilen.
  16. Bei der Ausgabe von Gutscheinen i. S. d. § 3 Abs. 13 UStG ist davon auszugehen, dass ein Gutschein, der sowohl im Übergangszeitraum als auch davor oder danach eingelöst werden kann, kein Einzweckgutschein sein kann, da der anzuwendende Steuersatz nicht feststeht.
  17. Bei Jahresboni ist zu beachten, dass der Bonus aufzuteilen ist in Leistungen bis zum 30.06. und Leistungen ab dem 01.07.
  18. Soweit aus einer Rechnung für eine vor Beginn des Übergangszeitraums ausgeführte Leistung im Übergangszeitraum Skonto gezogen wird, gilt für den Skontoabzug der bislang anzuwendende Steuersatz. Dies gilt gleichermaßen für den umgekehrten Fall am Ende des Übergangszeitraums.
  19. Aufgrund der Regelung in § 29 UStG kann es zu Ausgleichsverpflichtungen zwischen Leistendem und Leistungsempfänger im Fall von langfristigen Verträgen kommen. Hier ist zu prüfen, ob in entsprechenden Verträgen ggf. eine abweichende Vereinbarung getroffen wurde.

Wir hoffen, dass wir Ihnen einen ersten Überblick verschaffen konnten und stehen Ihnen für Rückfragen gerne zur Verfügung.

 

 

News vom 5.6.2020:

Liebe Mandantinnen und Mandanten,

 

seit dem nahezu Lockdown und den nun nach und nach eingeführten Rückgang zur „neuen Normalität“, ist auf der Gesetzgebungsfront wieder einiges geschehen.

Wir wollen Sie mit diesem Newsletter heute über folgende Dinge informieren:

 

  1. Änderung der Umsatzsteuersätze, generell und in der Gastronomie
  2. Verlustrückträge
  3. Erstattungen nach dem Infektionsschutzgesetz wegen Kinderbetreuung
  4. Degressive Abschreibung – Investitionen schneller steuerlich geltend machen
  5. Prämien für die Einstellung von Auszubildenden
  6. Innovationsprämie für den Kauf von E-Autos
  7. Überbrückungshilfen – ähnlich Soforthilfe
  8. Kinderbonus

 

 

 

  1. Änderung der Umsatzsteuersätze, generell und in der Gastronomie

 

Befristet vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020 werden die Steuersätze der Umsatzsteuer wie folgt geändert

 

Regelsteuersatz:              bisher 19 %  geändert auf 16 %

Ermäßigter Steuersatz: bisher   7 %  geändert auf 5 %

 

Für Speisen wurde bereits beschlossen, dass der Steuersatz temporär vom 1.7.2020 bis zum 30.6.2021 auf 7 % gesenkt wird.

Dies bedeutet, dass sich dieser für das nächst halbe Jahr um weitere 2% auf 5% erniedrigt. Für Getränke gilt dann für ein halbes Jahr 16%, ab dem 1.1.2021 wieder wie bisher 19%.

 

Bitte berücksichtigen Sie die geänderten Steuersätze für alle Leistungen, die in den Änderungszeitraum erbracht werden.

Die Änderung macht ggf. auch eine Umstellung der Umsatzsteuersätze in den  Kassensystemen erforderlich. Nehmen Sie bitte daher rechtzeitig Kontakt mit Ihrem Kassenaufsteller auf.

Diese Änderungen werden sich auch auf die automatisierten Buchhaltungssysteme auswirken. Wir können derzeit noch nicht sagen, wie die Umstellung derzeit erfolgen wird.

 

 

  1. Verlustrückträge

 

Der Gesetzgeber hat  Veränderungen beim steuerlichen Verlustrücktrag beschlossen.

Die steuerlichen Verluste können für die Jahre 2020 und 2021 bis zur Höhe von 5 Mio. Euro bzw. 10 Mio Euro (bei Zusammenveranlagung)geltend gemacht werden.

Die Verluste werden auf die Vorjahre zurückgetragen, so dass sich so Erstattungen von Steuern aus den Vorjahren ergeben können.

Weiterhin ist es derzeit möglich, sofern für das Jahr 2020 ein Totalverlust erwartet wird, einen pauschalierten Antrag auf Verlustrücktrag für 2019 zu stellen. Das Finanzamt zahlt dann vereinfacht gesagt 15% der bereits für 2019 geleisteten Einkommensteuervorauszahlungen pauschal im Voraus aus.

Sprechen Sie uns hierzu gerne an.

 

 

  1. Erstattungen nach dem Infektionsschutzgesetz wegen Kinderbetreuung

 

Arbeitgeber und Selbstständige können über https://ifsg-online.de/antrag-schul-und-kita-schliessung.html eine Entschädigung für Verdienstausfälle beantragen. Der Antrag gilt für Verdienstausfälle, die Ihnen oder Ihren Arbeitnehmer*innen wegen einer behördlich angeordneten Schul- oder Kitaschließung entstanden sind.

 

 

  1. Degressive Abschreibung – Investitionen schneller steuerlich geltend machen

 

Als steuerlicher Investitionsanreiz wird eine degressive Abschreibung mit dem Faktor 2,5 gegenüber der derzeit geltenden AfA und maximal 25% Prozent pro Jahr für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in den Steuerjahren 2020 und 2021 eingeführt.

Ob dies nur für NEUANSCHAFFUNGEN oder auch für bereits getätigte Investitionen gilt, wird noch geregelt werden.

 

 

  1. Prämien für die Einstellung von Auszubildenden

 

Prämien für Ausbildungsbetriebe von TEUR 2 bzw. TEUR 3, sofern Ausbildungsangebot nicht verringert wird bzw. sogar erhöht wird.

Unternehmen, die ihr Ausbildungsplatzangebot 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringern, erhalten für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag eine einmalige Prämie in Höhe von 2.000 Euro, die nach Ende der Probezeit ausgezahlt wird.

Solche Unternehmen, die das Angebot sogar erhöhen, erhalten für die zusätzlichen Ausbildungsverträge 3.000 Euro.

 

 

  1. Innovationsprämie für den Kauf von E-Autos

 

Erhöhung der Kaufprämie für E-Fahrzeuge bis zu einem Nettolistenpreis von TEUR 40 und Erhöhung der Kaufgrenze auf TEUR 60 für die begünstige Versteuerung der Privatnutzung von E-Firmenwagen

 

 

  1. Überbrückungshilfen – ähnlich Soforthilfe

 

Erstattung eines Teils der fixen Betriebskosten für kleine und mittelständische Unternehmen auf Antrag.

Antragsberechtigt sind branchenübergreifend Unternehmen, deren Umsätze Corona-bedingt in April und Mai 2020 um mindestens 60 % gegenüber April und Mai 2019 rückgängig gewesen sind und deren Umsatzrückgänge in den Monaten Juni bis August 2020 um mindestens 50 % fortdauern.

Erstattet werden bis zu 50 % der fixen Betriebskosten bei einem Umsatzrückgang von mindestens 50 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70 % können bis zu 80 % der fixen Betriebskosten erstattet werden.

Der maximale Erstattungsbetrag beträgt 150.000 Euro für drei Monate. Bei Unternehmen bis zu fünf Beschäftigten soll der Erstattungsbetrag 9.000 Euro, bei Unternehmen bis 10 Beschäftigten 15.000 Euro nur in begründeten Ausnahmefällen übersteigen.

Geltend gemachte Umsatzrückgänge und fixe Betriebskosten sind durch uns als Ihr Steuerberater in geeigneter Weise zu prüfen und zu bestätigen. Überzahlungen sind zu erstatten. Die Antragsfristen enden jeweils spätestens am 31.8.2020 und die Auszahlungsfristen am 30.11.2020.

Wie diese Überprüfung in der Praxis umgesetzt wird, können wir derzeit noch nicht sagen. Wir werden diese Prüfung gern für Sie durchführen und wieder zum vergünstigten Stundensatz zu 55 EUR/h abrechnen.

 

 

  1. Kinderbonus für Familien

 

Einmalig erhalten Eltern EUR 300,00 pro Kind. Dieser Bonus wird allerdings mit dem Kinderfreibetrag verrechnet. Für Alleinerziehende werden die Freibeträge verdoppelt.

 

 

In der praktischen Umsetzung sind noch einige Fragen offen. Speziell die Überprüfung der Antragsberechtigung für die Überbrückungshilfen wird sehr viel Beratungsbedarf mit sich bringen. Es ist daher zu erwarten, dass diese im weiteren Gesetzgebungsprozess geklärt werden. Wir werden Sie auf dem laufenden halten,

 

Dieser Newsletter wird ab sofort auch auf unsere Homepage unter www.steuerfuechse-kiel.de unmittelbar einsehbar sein.

Bleiben Sie gesund und zuversichtlich.

 

Ihre Steuerfüchse